Nebelbeute

„Nebelbeute“

von Benjamin Cors , Dtv Verlag

Meine Bewertung


Inhalt/Klappentext:

Mila Weiss ist auf der Jagd. Tief in den Bergen will sie endlich ein Phantom aus ihrer Vergangenheit stellen: Johannes Toblach. Doch am Tag ihrer Ankunft wird eine Leiche in den Bäumen gefunden, gefangen in einem Netz aus Seilen. Und für Mila stellt sich die Frage: Ist sie die Jägerin oder die Gejagte? Stück für Stück kommt sie ihrem Ziel näher – bis sie plötzlich spurlos verschwindet.

Die Gruppe 4, geleitet von Jakob Krogh, macht sich sofort auf die Suche. Sie stoßen auf ein abgelegenes Bergdorf, in dem nur das Schweigen noch dichter ist als der Nebel. Das Team wird in das grausame Spiel eines Serienmörders verstrickt, der sich in den Schatten der Wälder verbirgt. Und ganz offenbar Mila in seiner Gewalt hat …

„Nebelbeute“ – Eigene Meinung:

Manche Thriller schaffen es, einen von der ersten Seite an zu packen. Andere überzeugen durch raffinierte Ermittlungen, überraschende Wendungen oder außergewöhnliche Figuren. „Nebelbeute“ von Benjamin Cors vereint all diese Elemente und entwickelt dabei eine düstere, atmosphärische Geschichte, die mich bis zur letzten Seite nicht mehr losgelassen hat.

Eine der größten Stärken des Romans ist zweifellos seine Atmosphäre. Benjamin Cors gelingt es hervorragend, die düsteren Wälder, die abgeschiedene Berglandschaft und die beklemmende Stimmung des Dorfes lebendig werden zu lassen. Während des Lesens hatte ich immer wieder das Gefühl, selbst durch die nebelverhangenen Wälder zu streifen.
Die Umgebung wird dabei nicht bloß zur Kulisse, sondern entwickelt sich zu einem wichtigen Bestandteil der Handlung. Die Natur wirkt gleichermaßen faszinierend wie bedrohlich und verstärkt die Spannung auf nahezu jeder Seite.
Was mich besonders begeistert hat, war das hohe Spannungsniveau. „Nebelbeute“ gehört zu den Büchern, bei denen man sich immer wieder vornimmt, nur noch ein Kapitel zu lesen und plötzlich sind weitere hundert Seiten vergangen.
Cors versteht es hervorragend, Informationen gezielt zu dosieren. Neue Hinweise werfen oftmals mehr Fragen auf, als sie beantworten, und sorgen dafür, dass man ständig eigene Theorien entwickelt. Gleichzeitig überrascht die Handlung immer wieder mit unerwarteten Entwicklungen, ohne konstruiert zu wirken.
Besonders gelungen fand ich, dass die Spannung nicht ausschließlich aus spektakulären Szenen entsteht. Oft reicht bereits ein Gespräch, eine Andeutung oder eine Beobachtung, um ein ungutes Gefühl zu erzeugen. Genau diese unterschwellige Bedrohung macht den Reiz des Romans aus.
Auch die Figuren haben mir ausgesprochen gut gefallen. Mila Weiss ist eine interessante Protagonistin, die nicht nur als Ermittlerin funktioniert, sondern auch durch ihre persönliche Geschichte Tiefe erhält. Ihre Vergangenheit und ihre Motivation verleihen der Handlung zusätzliche emotionale Gewichtung.
Ebenso überzeugend ist Jakob Krogh, dessen Teamarbeit und Ermittlungsarbeit authentisch wirken. Die Mitglieder der Gruppe 4 ergänzen sich gut und sorgen dafür, dass die Geschichte nicht ausschließlich von einer einzelnen Figur getragen werden muss.
Die Charaktere wirken glaubwürdig, besitzen Ecken und Kanten und entwickeln sich im Verlauf der Handlung nachvollziehbar weiter.

Ein Punkt, der für viele Leser interessant sein dürfte: Ich habe die Vorgängerbände „Krähentage“ und „Aschesommer“ nicht gelesen. Dennoch hatte ich keinerlei Schwierigkeiten, der Handlung zu folgen. Benjamin Cors liefert genügend Informationen, um auch neue Leser mitzunehmen, ohne dabei langatmige Rückblicke einzubauen. Natürlich profitieren Kenner der Reihe möglicherweise von zusätzlichen Hintergrundinformationen, doch „Nebelbeute“ funktioniert auch hervorragend als eigenständiger Thriller.

Fazit:

Wer atmosphärische Thriller mit starken Charakteren, einer fesselnden Handlung und einem Hauch von Gänsehaut liebt, sollte „Nebelbeute“ unbedingt lesen.

Eure Nora

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